Western Australia

Kurz WA, double-u-ay. Wäre WA ein unabhängiger Staat, wäre er das neuntgrößte Land der Welt. Hier leben 1,8 Millionen Menschen, davon fast 1,4 in Perth. Die restlichen 400.000 teilen sich ca. 2,5 Millionen qkm. 
Die Weite und Einsamkeit ist eins – unbeschreiblich.

In Kunnanura werden die Essensvorräte, die man an der Staatsgrenze abgenommen bekommt, wieder aufgefrischt. Normalerweise herrscht hier am östlichen Tor zu den Kimberleys reger Betrieb, doch durch die bereits 7-monatige Trockenzeit sind die sonst so spektakulären Flüsse und Wasserfälle ausgetrocknet oder nur noch ein Rinnsal. Deshalb habe ich mich für die südliche Route über den Great-Nothern-Highway, vorbei an den Bungle-Bungles, dem Wolfs Creek Crater über Frizroy Crossing, zum 1300 km entfernten Broome entschieden.

Broome war in den 20-er Jahren Weltzentrum der Perlenindustrie. Dass das Tauchen nach den Perlen gefährlich war, bezeugen die 600 japanischen Grabsteine auf dem Friedhof. Neben dem 22 km langen Cable Beach ist eine besondere Attraktion der Staircase to the moon. 2 Tage nach Vollmond kann man bei Ebbe so etwas wie Stufen im Sand bei aufgehendem Mond betrachten.
Nicht weit entfernt, steht in Derby der wohl bekannteste Boabbaum Australiens. Der 1000 Jahr alte Baum diente den Aussies während der Kolonialzeit als Nachtgefängnis für Aborigines. Der hohle Baumstamm bietet Platz für 10 Gefangene.

Weiter über Port Hedland, dem zweitgrößtem Erzumschlagsplatz der Welt, zum Karijini National Park – schlappe 1000 km. Immer wieder die Warnungen in allen Straßenkarten:

In Outback Australia, long distances separate some towns.

Travellers should familiarise themselves with prevailing

conditions before departure and take care of ensure their

vehicle is roadworthy. Adequate supplies of petrol, water

and food should be carried all the times

Beware of crocodiles in rivers, estuaries and coastal areas.

 

Kurz vor Port Hedland fahre ich rechts ab zum Cape Keraudern. Auf den roten welligen Straßen ist es wichtig die richtige Geschwindigkeit zu fahren, ansonsten bekommt man jede Unebenheit deutlich zu spüren. Es ist gut, dass es früh dunkel wird, und ich sehe nicht wie viel Staub ich mitesse. Mittlerweile hat sich der rote Staub überall im Auto festgesetzt. Dann über feinen Sandstrand und es dauerte auch nicht lange, da ging nichts mehr. Nicht vorwärts und nicht rückwärts. Ich sank mit meinem Van immer tiefer und tiefer, bis ich schließlich bis zur Radnarbe eingegraben war. Das hier keine Hilfe zu erwarten ist, war mir klar und ich fing an zu buddeln. Das Resultat nach 2 Stunden: 3 kaputte Plastikteller, zerrissene Bettlaken und Decken, doch zurück auf dem Highway. Es dauerte keine 15 km und ich hörte einen dumpfen Schlag. Was ich in der Dämmerung zunächst als Känguru vermutete, stellte sich als Dingo heraus – tot.

Kann es noch schlimmer kommen? Es kann und es kam. Am nächsten Roadhouse ein Schild: "no petrol available". Nach 2 Tagen ging es weiter. No worries, mate.

Der Karijini National Park beeindruckt durch seine engen Schluchten und Farbschattierungen. Ohne Zweifel ist das Highlight der Knotenpunkt der 4 Schluchten: Weano, Red, Hancock und Joffre Gorge. Um in einen der Pools zu kommen steigt man die über 100 Meter hohen und teilweise bis zu einem Meter engen Schluchten hinab, watet brusttief im eiskaltem Wasser und wird belohnt von wunderschönen Badeplätzen und Wasserfällen. Hier unten sind die Temperaturen erträglich, doch sobald man wieder die Erdoberfläche erreicht, erschlagen einem die 42 Grad - und es ist Frühlingsanfang. 
Die schwarzen Wolken über dem Kopf bringen keinen Regen, nein, das Summen und Stechen heißt Moskitos oder Mozzies. 
Also schnell ins Auto, Türe zu und weiter schwitzen.

Westlich der Pilbara-Region an einer fingerförmigen Halbinsel liegt Exmouth. Von hier sind es noch 80 km zum Cape Range National Park mit seinem Ningaloo Reef – wohl das am besten gehütete Geheimnis der Westküste. Das Reef liegt so dicht an der Küste, dass man stellenweise nur 100 Meter hinausschwimmen muss, um die Farbenpracht der Korallen im türkisfarbenen Wasser zu bewundern. Man schnorchelt stundenlang mit grünen Riesenschildkröten, Reefhaie, Rochen etc. Am Abend teilt man die prächtigen Sonnenuntergänge mit den Kängurus, die direkt neben dem Auto sitzen. Aus den geplanten 2 Tagen werden 
2 Wochen. Zwischendurch muss ich nach Exmouth um meine Vorräte wieder aufzufrischen. Bei dieser Gelegenheit gehe ich am ehemaligen US-Militär-Stützpunkt zum Tauchen. Mit voller Ausrüstung springen wir ca. 6 Meter vom Pier ins Wasser. Dieser Spot ist eines der besten Tauchgebiete Australiens. Der Fischreichtum der über 500 verschiedenen Arten ist so enorm, das man seinen Tauchbuddy 2 Meter weiter nicht mehr sehen kann. Auch hier wieder Weissspitzenreefhaie, Lionfische, Muränen, Riesenschildkröten und Fischschwärme in allen Farben.

150 km weiter südlich kommt man zur Shark Bay. Im seichten Wasser des Hamelin Pool kann man die Stromatiliten sehen, die 3,5 Billionen Jahre alt sein sollen. Ein weiteres Naturhighlight ist der 110 km entfernte Shell-Beach. Der grellweiße faszinierende Strand besteht aus einer Muschelschicht von 10 Metern. Man vermutet, dass das stark salzhaltige Wasser der Grund für dieses Mysterium ist. Ein Stück weiter kommen in Monkey Mia Delphine bis an den Strand. Das mittlerweile touristische Spektakel der Fütterung schreckt mich schon ein wenig ab. Der Ranger behauptet jedoch, das die paar Fische nur ein Snack für die Delphine sind und ihr Jagdleben in keiner Weise beeinträchtigt.

Auf dem Weg nach Kalbarri werden immer wieder Übernachtungsstopps an einsamen Sandstränden eingelegt.

Wie in einer anderen Welt ist man jetzt im Grünen. Die Wildblumenblüte verwandelt die Landschaft in eine Farbpalette. Von den kilometerlangen Steilküsten sieht man Delphinschwärme und Buckelwale. Diese Region ist bekannt für Hummer, der natürlich nicht ausgelassen wird.

Die Westküste hat mich stark beeindruckt. Dazu beigetragen haben die bizarren Steinformationen der Pinnacles im Nambung National Park. Die Skulpturen sind das Ergebnis von Winderosionen. Die unbeschreiblichen Farbveränderungen während des Tages haben dazu geführt, dass ich den Tag von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang im Park verbrachte und 2 Filme durchgeknipst habe.

Perth – Hauptstadt von WA ist mit einem einzigen Wort zu umschreiben: Gelassenheit. Die Schönheit dieser Stadt ist zweifelsohne die Lage am Meer mit den tief eingeschnittenen Buchten, der Kings Park, die netten Menschen und die unzähligen Cafes. Moderne Gebäude wie der Bell-Tower geben der City internationalen Flair. Noch mehr lay back erlebt man in Fremantle, von den Locals kurz Freo genannt. Hier scheint die Uhr langsamer zu gehen: keine Hektik, kein Stress. Ein Muss ist der Besuch des alten Gefängnisses, indem die Gefangenen noch bis vor 10 Jahren in Eimer gesch..... haben.

Die Tagesetappen Richtung Süden werden abrupt kürzer. Für die 300 km nach Augusta benötige ich eine Woche, da man an den vielen Wineries mit ihrem exzellentem Wein einfach nicht vorbei kommt.

Der Weg zur Küstenstraße, bekannt als Caveroad, führt entlang an Busselton mit dem 2 km Jetty – dem längsten Australiens. Nachdem ein Farmer vor 100 Jahren zusammen mit seiner Kuh in eine Cave gefallen ist, gibt es Führungen durch die Welt der Stalagmiten und Stalaktiten. Zur Erinnerung: Stalaktiten sind die, die von oben herab hängen.

Der südwestlichste Punkt Australiens ist Augusta. Vom 60 Meter hohen Lighthouse hatte man eine fabelhafte Sicht auf Wale, die entweder im Indischen Ozean oder im Southern Ozean schwammen.

Bei einer Fahrt durch die Nationalparks mit den höchsten Kauribäumen habe ich beim Größenvergleich eindeutig den kürzern gezogen. Es war schon ein mulmiges Gefühl den höchsten Firetree (70 Meter) ohne Sicherung nur über Eisenstangen zu erklimmen.

 

Auf dem Weg können wir noch die Bridgetown Girls beim aufregendem Bowlingspiel zusehen.

 

07.11.2002 08:01:41

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