Queensland Es ist
der 17.07.2002, ich sitze auf einem riesigeren Kontinent
und freue mich schon auf das, was mich erwartet. Nach
nur 2 Tagen habe ich bereits einen Van mit komplettem
Camping-equipment und allem, was man zur Umrundung
Australiens benötigt. Nissan Urvan, REU
044, The Place
To BE ! Bei einem
Abstecher ins Hinterland der Gold Coast kommt man sich
wie in einer großen Voliere vor. Die
Farbenvielfalt der Vogelwelt war für mich etwas völlig
Neues. Zurück nach Brisbane, jetzt steht etwas ganz Besonders an. Vor knapp
einem Jahr kam von Oliver das Versprechen: " Ich
werde Dich in Australien besuchen und dann fliegen wir
gemeinsam ins Outback." Am 29.08.2002 war es
soweit. Morgens um 8 Uhr habe ich Gaby Hauck, Oliver
Stumpf und Dennis Neckermann aus Walldürn in Brisbane,
Queensland, dem Sunshine State abgeholt. Die Woche zuvor
habe ich genutzt, um beim Aero Club Redcliffe (30 km
nördlich von Brisbane) eine einmotorige Piper Cherokee
Archer II 28 zu chartern und einige Informationen
einzuholen. Nachdem
jeder von uns einen eineinhalb stündigen Checkflug auf
der PA 28 hinter sich hatte, stand ein letzter
Navigationsflug mit dem Instructor an. Unsere Aufgabe
bestand darin, Jimna zu finden: Ein in der Karte
eingezeichneter 5 Meter Feuerturm 30 Kilometer westlich
im Hinterland. Exakt 2 Stunden später war uns egal wo
dieser Punkt liegt. Uns wurde schnell klar, dass die
Sichtnavigation hier in Down Under nichts mit unserer in
Europa zu tun hat. Wir bekamen von unserem Instructor
den guten Rat:" Keep your heading and cross your
fingers." Die erste 2-Tages-Tour führte uns nach Norden, entlang der Sunshine Coast mit kilometerlangen weißen Sandstränden über Noosa nach Hervey Bay. Nach dem ersten Auftanken ging es gleich weiter über Fraser Island. Die Natur baute Millionen von Jahren um die größte Sandinsel der Welt zu schaffen. In 500 Höhe war das Maheno-Wrack, die Lakes, der Regenwald und natürlich die 4-Wheel-Jeeps, die den weißen Sandstrand entlang fuhren, deutlich zu erkennen. Zurück nach Redcliffe flogen wir durch die Glass House Mountains, erloschene Vulkankegel vor der Bergkette Dividing Range. Aufgrund
unserer Jimna-Erfahrung haben wir unsere anstehende
6-tägige Outbacktour sorgfältig geplant. Unsere Route
führte uns über Roma nach Charleville.
In niedriger Höhe konnten wir die ausgetrockneten
Flussbette und Viehtränken deutlich erkennen. In
Charleville haben wir unseren Fliegerkollegen, den
berühmten Flying Doctors, einen Besuch abgestattet. Auf
Grund der vorherrschenden Dürre bekamen wir in unserem
Charleville Hotel ein T-Bone
Steak "as big as Tasmania" für 5 AUS $. Hier
hätte sich Crocodile Dundee sicherlich auch sehr wohl
gefühlt. Dank bester Flugbedingungen und endloser Sicht während unserer gesamten Reise kamen wir aus dem Staunen über die endlose Weite Australiens nicht heraus. Die von Menschenhand völlig unbeeinflusste Natur aus der Vogelperspektive genießen zu dürfen, war schlichtweg sensationell. Viele Landstriche sehen aus wie Aborigine-Gemälde. In Longreach angekommen, waren wir den Gründern von Quantas-Airlines auf der Spur. Quantas, die Queensland & Northern Territory Aerial Service wurde von den Piloten Hudson Fysh und Paul Mc Guinness gegründet. Die 1926 erbaute Produktionshalle der Flugzeuge ist heute ein Teil des Museums. Beim Besuch des größten Klassenzimmers der Welt, der LSODE (Longreach School of Distance Education), konnten wir live miterleben, wie die Kinder im Umkreis von 2000 km über den Äther unterrichtet werden. Anschließend haben wir versucht, das Didgeridoo von Dennis, dass er von einem Aboriginekünstler erworben hat, in unserer Piper zu verstauen. Zurück in Charleville sahen wir am Abend die überwältigende Sternenwelt der südlichen Hemisphäre einschließlich Southern Cross, Milchstraße, Venus bei besten Bedingungen. Tags
darauf, auf dem sonst so verlassenen Flugplatz in Cunnamulla
verabschiedeten uns am Rollfeld überraschend die lang
ersehnten Kängurus. Nach einem Tankstopp in St.
George beendeten wir unsere fliegerische Tagesetappe
in Dalby. Es geht Schlag auf Schlag. Spät abends in Hervey Bay angekommen, haben wir uns spontan entschlossen, am nächsten Morgen schon um 4.30 Uhr mit einem Fischerboot aufs Meer zu fahren. An diesem Küstenstreifen hat man die besten Chancen die Humpback Wale zu sehen, die die 5000 km aus der Antarktis zurücklegen, um in wärmeren Gewässern Junge zur Welt zu bringen. Bereits vor Sonnenaufgang gaben uns die ersten Fontänen die Richtung an. Wir waren jetzt schon überglücklich die deutlichen Hinweise der riesigen Säugetiere zu sehen. Doch was uns dann erwartete, war unglaublich. Wir stoppten die Maschine und harrten der Dinge die kamen: trotz des Gewichtes von bis zu 15 Tonnen sahen die Bewegungen der Riesen des Meeres immer graziös aus. Dennoch mussten wir die eine oder andere Dusche über uns ergehen lassen. Die Wale kamen so nah ans Boot, dass ein Berühren möglich war. Mittlerweile waren wir von 6 Walen umringt, die sich gegenseitig bei ihren Darbietungen überboten. Wir konnten ihren Spaß, mit uns zu spielen, regelrecht spüren. Wir wussten nicht mehr wohin wir schauen sollten, um nichts zu verpassen. Nach über zweistündigem atemberaubenden Naturschauspiel ging es zurück zum Hafen. Wir sind uns absolut sicher, dass das letzte Winken der Wale mit der Seitenflosse "Auf Wiedersehen" bedeutete. Kontrastprogramm
Fraser Island, die größte Sandinsel der Welt.
Trotz Weltkulturerbe seit 1992 ist es unter bestimmten
Voraussetzungen gestattet, die Insel zu erkunden.
Um das schwierige Gelände
auf der Insel zu meistern und die Natur zu schützen,
bekommt man vor dem Übersetzen mit der Fähre eine
Einweisung. Unser
4.3-Liter-Jeep war voll bepackt mit den notwendigen
Dingen für die nächsten 3 Tage. Bereits wenige Meter
auf der Insel konnten wir feststellen, dass die
unbefestigten Wege alle unsere Erwartungen übertrafen:
tiefe Schlaglöcher und Rinnen, dann wieder
halbmeterhoher feinster Sand in den sich unser
Geländewagen immer wieder eingrub.
An Mensch und Material wurden höchste Anforderungen
gestellt. Wir und unsere Ausrüstung hatten immer wieder
direkten Kontakt mit dem Dach des Jeeps. Nach soviel Aktion pur war eine kleine Verschnaufpause angesagt, die wir in Bundaberg bei Bundie-Rum genossen. Nach einer zwangsläufigen Betriebsbesichtigung konnten wir die gesamte Produktpalette des australischen Nationalgetränks testen. Der Alkoholgehalt hält sich wahrscheinlich in Grenzen – zumindest zeigte das Blasröhren der anschließenden Polizeikontrolle negativ. Unsere weitere Fahrt führte uns entlang der Zuckerrohrplantagen für Bundaberg nach Airlie Beach. Die Whitsunday Group mit ihren 74 Inseln ist unter Seglern als eines der besten Segelgebiete der Welt bekannt. Unserer Segelyacht, die Boomerang, 83 feet lang und 20 feet breit, hat den ersten Preis in der World Maxi Series Race in den USA, Japan und NZ gewonnen. In nur 3 Tagen segelten wir mit dieser schnellen Yacht um Hook Island, Whitsunday Island, Hamilton und Lindeman Island. Dennoch hatten wir genügend Zeit beim Schnorcheln und Tauchen die ersten Ausläufer des Great Barrier Reefs mit seiner unbeschreiblichen Unterwasserwelt zu bewundern. T ownsville, ein ruhiger hübscher Ort, direkt am Sugar-Highway ist Ausgangspunkt für die Fähre nach Magnetic Island.James Cook nannte die Insel deshalb so, weil er glaubte, der Kompass seines Schiffes wurde durch die Anziehungskraft der Insel getäuscht. Grund dafür ist jedoch das hohe Erzvorkommen. Auf Maggie, wie die Insel hier in Queensland genannt wird, gibt es die meisten frei lebenden Koalas per qkm in Australien. Schon bei
unserem ersten little nice bushwalk hatten wir das
Glück die bekanntesten australischen Maskottchen in den
Astgabeln der Gummibäume zu sehen. Trotz lautem zurufen
hat sich der Koala nicht
aus der Ruhe bringen lassen, Durchs Hinterland ging es weiter nach Norden Richtung Cairns, Port Douglas und Cape Tribulation. Unzählige Wasserfälle und Badetümpel säumten den Weg dorthin. Doch trotz der friedlich aussehenden "Badewannen" hat man beim Angriff der Krokodile nur eine Chance: man muss versuchen beide Daumen in die Augenhöhlen der Krokos zu drücken. Im
Schicki-Micki-Ort Port Douglas bekommt man im
Inlokal "On the Inlet" die Prawns eimerweise
serviert. An diesem Küstenstreifen reicht das Great
Barrier Reef fast bis zum Strand und bietet somit an den
zahlreichen Sandbänken und Korallenriffen exzellente
Stellen zum Tauchen und Schnorcheln. Die
idyllische Landschaft hier oben bekam von James Cook den
Namen: Cape Tribulation – Kap der Leiden, der
absolut nicht zutrifft. Ich kann es mir nur so
erklären, dass er zuviel XXXX-Bier oder Bundaberg Rum
getrunken hatte und deshalb sein Schiff aufs Reef
setzte. Um wieder wegzukommen, musste er vieles über
Bord werfen. Zurück in Cairns, die Hauptstadt von Far North Queensland, ist ein Verteiler der Touris. Hektisch, kommerziell und uns in schlechter Erinnerung. Unnötige Alkoholkontrollen am Vormittag, einen Strafzettel von 135 $ für das angebliche Überfahren eines Stoppschildes und die Androhung von 3750 $, da es verboten ist im Stadtgebiet von Cairns im Van zu übernachten. Hier in Cairns wird soviel original handgefertigte Aboriginekunst wie: Didgeridoos, Bilder, Clapsticks und Boomerangs angeboten, dass ich mir sicher bin, dass außer den offiziell bekannten 260000 Ureinwohnern noch weitere Hunderttausende in den Büschen oder im Outback sitzen müssen und rund um die Uhr malen und schnitzen. Geschichtlich
gesehen ist Australien ein Gefängnis für Diebe,
Räuber und Rebellen am anderen Ende der Welt, bewacht
von Schurken in Uniform. So begann zumindest die
Kolonisierung der Engländer vor ca. 200 Jahren in Down
Under. Vieles ist davon geblieben. Wahrscheinlich
brauchen die Aussies eine Vielzahl von Verboten und
Reglementierungen. Eine kurvenreiche Strecke führt uns zurück in die Tablelands nach Kurunda. Hier in diesem schönen Bergdorf gibt es außer dem Kunstmarkt, dem Bahnhof, den Barron Falls vieles zu sehen. Empfehlenswert ist ein Besuch im Aborigine-Kultur-Park. Hier in der Welt der "Menschen im Wald", werden die eindrucksvollen Tänze erläutert, erhält man eine Lehrstunde im Werfen eines Boomerangs oder im Spielen eines Didgeridoo. An dieser Stelle Grüße und Dank an Gaby, Oliver und Dennis, die mich in den letzten Wochen ein Stück begleitet haben. Es war eine schöne Zeit und wir haben vieles gemeinsam erlebt. Ich denke wir werden noch lange Freude daran haben.
27.09.2002 15:58:17 |