Northern Territory – Australien

 

Die nächsten 3000 km von Cairns nach Darwin führen mich das erste Stück über den Gulf Savannah Way, der Dank der Trockenzeit mit meinen Van zu meistern war. Viel gibt es auf der schier endlosen Strecke nicht zu sehen.

Während der Regenzeit verwandeln sich die staubigen Straßen schlagartig in Schlamm- und Wasserrinnen. Meine größten Hindernisse waren die Road Trains, bis zu 50 Meter lang und 100 Tonnen schwer. Das Ankommen der Ungeheuer kann man von weitem durch den aufwirbelnden Staub ausmachen. Dann gibt es nur noch eines, so weit wie möglich runter von der einspurigen Straße und stehen bleiben. Doch einmal war auch dies zu wenig. Ich höre es nur noch krachen, und als sich der Staub gesenkt hat, waren die Einschläge in der Windschutzscheibe deutlich zu sehen. No worries – weiter geht’s.

Der erste Stopp war im Undara Volcanic National Park. Ein Vulkanausbruch vor ca. 190.000 Jahren formte die größten Lavahöhlen und Tunnelsysteme der Welt. Was trotz der Einöde immer wieder unglaublich erscheint, sind die Farbschattierungen der roten Erde, der wolkenlose Himmel und das tiefe Blau des Himmels, die sensationellen Sonnenauf- und -untergänge sowie die sternenklaren Nächte.

Anfänglich erschreckt der Anblick der vielen toten Kängurus und der Gestank der verendeten Tiere. Regelrecht gepflastert ist der Weg bis zum 800 km entferntem Normanton. Warnschilder sind hier wirklich nicht nötig. Gut beraten ist man, morgens bei Sonnenaufgang loszufahren, um zumindest in den ersten Stunden bei erträglichen Temperaturen ein möglichst großes Stück zurückzulegen. Bei Eintritt der Dämmerung sieht man schon die ersten "Roo’s" am Straßenrand sitzen. Trotz des mittlerweile angeeigneten Känguru-über-die-Strasse-spring-Blicks, sind gegen die tiefstehende Sonne im Westen die unzähligen Termitenhügel von den Kängurus kaum zu unterscheiden. Es ist Zeit den Tag zu beenden.

Die einzige Bewegungen beschränken sich seit Tagen darauf, den entgegenkommenden Fahrzeugen im Halbstundentakt zu winken, das Fenster hochzukurbeln sobald sich ein Road Train nähert und die Bewegung des "Fotofingers" alle zwei- bis dreihundert Kilometer.
Die hohen Schornsteine der Bergwergstadt Mt. Isa sind schon von weitem zu erkennen. Die flächenmäßig größte Stadt der Welt (41000 qkm – größer als die Schweiz) erscheint mir zunächst wie eine Geisterstadt. Hier im middle of nowhere verkriechen sich die Menschen in den klimatisierten Gebäuden, die fast bis zum Gefrierpunkt heruntergekühlt sind. Auf den Straßen ist kaum jemand zu sehen.

Dann wieder die aufbauenden Straßenschilder: nach links Alice Springs 1240 km nach rechts Darwin 1680 km.

Gemeinsam mit dem Tacho zähle ich die Kilometer herunter. Die 3000 km von Cairns nach Darwin habe ich in 6 Tagen mit 40 Autostunden zurückgelegt. Hier gibt es nichts. Selbst die Entfernungen zu den nächsten Rastplätze sind enorm. 
Genügend Zeit um nachzudenken wieso manche Leute hier im Outback leben.

 

Ist es die Hitze?

Ist es die Isolation?

Ist es das teuere Leben?

Sind es die Fliegen?

Sind es die Flächenbrände?

Sind es die Überschwemmungen?

Sind es die 100 km zum nächsten Pub?

Sind es die Termiten, die dir das Haus unterm Hintern wegfressen?

Oder ist es einfach die Unwissenheit der Menschen, dass sie hier nicht hingehören?

 

Irgendwann ein Schild Newcastle Water. Ich fahre links ab, und nach wenigen Kilometern ein paar Wellblechhütten, auf einer steht "School". Ich gehe hinein und sage einfach mal "Gidday mate". Die gestresste Lehrerin versucht den Aboriginekinder aus der Umgebung das Rechen beizubringen. Ein 13-jähriges Mädchen versucht schon den ganzen Vormittag auf das Ergebnis von 4 + 4 zu kommen. Die kleinen haben es beim Spielen etwas einfacher, und freuen sich über die mitgebrachte Schokolade.

Genau zwischen Alice Springs und Darwin liegt Daly Waters. Ein Ort mit 20 Einwohner, einer Tankstelle und einem Pub
Hier im Pub hängen Geldnoten, Führerscheine und Unterwäsche aus der ganzen Welt an der Wand. Und man glaubt es kaum, jeden Abend ist die Kneipe voll. Ich weiß nicht von wie weit alle hierher kommen, legen 50 oder 100 Dollar auf die Theke und fahren erst wieder nach Hause, wenn das Geld in XXXX-Bier umgesetzt ist.

Darwin – THE TOP END wurde durch einen Hurrikan 1974 fast komplett zerstört. Von den 5000 Häusern blieben 500 unversehrt. Die jetzige moderne Architektur bietet knapp 80.000 Menschen ein neues Zuhause. Für mich war es hier ein kurzes Ausruhen, bevor es in die umliegenden Nationalparks ging.
Der Litchfield National Park südlich von Darwin bietet mit seinen Wangi- und Florence Wasserfällen, sowie mit den Buley Rockhole immer wieder eine willkommene Bademöglichkeit. Somit war die Hitze einigermaßen auszuhalten.

Bevor es zum Kakadu Nationalpark geht, noch eine kurze Bootsfahrt auf dem Maryriver. Wahrscheinlich wird gerade in diesem Moment ein "freshie" (Süßwasserkrokodil) mit meiner Sonnenbrille am Ufer liegen und die Welt etwas klarer sehen.
Im Kakadu National Park findet man ein Viertel aller australischen Süßwasserfische, über 1000 verschiedene Pflanzenarten, 300 Vogelarten (Vogelarten), 75 Reptilien und unzählige Insekten. In der jetzigen Trockenzeit tummeln sich alle in den wenigen Flussarmen und Billabongs. Die beste Stelle all dies zu sehen ist auf den Yellow Waters bei Cooinda. Weiter bietet der Park interessante Einblicke in die Frühzeit der Menschen vor über 40000 Jahren. Man vermutet, dass die Felsenmalereien am Ubirr und Nourlangie Rock bis zu 20.000 Jahre alt sind.

Kathrine, 300 km südlich von Darwin, ist mit 10.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt im NT. Hier ist ein Abstecher in den Nitmiluk National Park Pflicht. Das ausgedehnte Schluchtensystem mit den über 100 Meter hohen Sandsteinwänden haben wir mit dem Kajak erkundet.
Weiter geht es nach Western Australia. Es sind schlappe 500 km bis an die Staatsgrenze und 4000 km bis nach Perth. Meine Eindrücke, Bilder und Berichte in 4- 6 Wochen. See ya.

 

27.09.2002 16:00:51

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